Mittwoch, 19. Februar 2014

BERND KÖPPEN

Ich möchte an dieser Stelle auf meinen ehemaligen Klavierlehrer, den Wuppertaler Pianisten und Komponisten Bernd Köppen hinweisen.

Köppen, der in den 60er Jahren, zusammen mit Peter Kowald und Peter Brötzmann, den europäischen FreeJazz maßgeblich mitprägte und damit Wuppertal -neben New York- als eines der Zentren frei improvisierter Musik weltweit etablierte, findet jedoch nicht so viel Erwähnung, wie die beiden anderen Musiker. Dies mag vor allem damit zusammenhängen, dass Köppen -anders als zum Beispiel Brötzmann- die klassische Moderne in sein Spiel ausdrücklich mit einbezog. So gestaltete er in den 90er Jahren eine Klangperformance für Klavier und Synthesizer mit dem Titel "Seul - À La Fin Du Temps", die nicht nur im Titel, sondern auch programmatisch ausdrücklich auf Oliviers Messiaens Komposition " Quatuor pour la fin du temps " Bezug nimmt. In den 80er Jahren veröffentlichte er ein Solo-Livealbum mit dem Titel, "Thanks to", auf dem er sich in sehr eigener und subtiler Weise mit der Musik Ellingtons und Monks auseinandersetzt.

Aber auch als Kombomusiker hat sich Köppen in seiner langen Karriere einen Namen gemacht, zum Beispiel in verschiedenen Besetzungen mit Kent Carter, Bill Elgart, Irene Schweitzer und auch mit Duopartnern wie dem Klarinettisten Theo Jörgensmann, mit dem er 1986 die LP "Für den letzten Gast" aufnahm und -nach einer längeren Pause- seit einiger Zeit wieder konzertiert. Im Rahmen dieser wiederum künstlerisch sehr fruchtbaren Zusammenarbeit sind die CD's "The Story of Professor Unrat" (2011) und "Vater Rhein Mutter Raus (8 Dialogues Dedicated To Manfred Niehaus)" (2013) entstanden.

Köppen, den J.E. Berendt in seinem großen Jazzbuch "einen der wichtigen freien Pianisten Europas“ nennt , hat im Laufe der Zeit seine musikalischen Ausdrucksmittel ständig erweitert, zum Beispiel durch die Einbeziehung von Synthesizern oder in dem Projekt "diagonalmusic", in dem er gemeinsam mit dem ungarischen Pianisten Károly Binder auf zwei diagonal in sich verstimmten Flügeln improvisierte. Je nach dem, auf welchem Bereich der Tastatur die beiden gerade spielten, ergaben sich so ganz neue Klangerlebnisse. Aus seinem neueren Duo-Projekt mit dem Saxophonisten Andreas Bär kann man in den Videos einige Teile hören:

Es wäre wirklich zu wünschen, dass Köppen die gleiche Beachtung erführe, die Brötzmann und Kowald zuteil wird. 

Diejenigen, die Köppen einmal live hören wollen, können dies am besten hier in Wuppertal tun, zum Beispiel in der von ihm gegründeten Reihe für frei improvisierte Musik mit dem Titel "unERHÖRT" oder eben auf Tonträgern, die ich in den folgenden Links allen wärmstens ans Herz lege... (am besten direkt über Senti-Records zu erwerben)

http://www.discogs.com/label/238742-SENTI-Records
http://www.kowald-ort.com/termine-21-12-06.html






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